Zur Geschichte der SPD Zehlendorf
Die SPD in Zehlendorf blickt auf eine inzwischen mehr als 130-jährige Geschichte im Kampf für eine freiheitliche, gerechte und solidarische Gesellschaft zurück. Bereits im Jahr 1874 wird in den Quellen eine erste Versammlung des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV) in Zehlendorf erwähnt, über die aber nichts Näheres überliefert ist.
Seit mehr als 130 Jahren im Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität
Nach dem Sozialistengesetz, unter dem unsere Partei zwischen 1878 und 1890 verboten war, fanden die ersten regelmäßigen sozialdemokratischen Volksversammlungen bei „Aigner’s Höhe“, einem Ausflugslokal in der Nähe der Krummen Lanke (dem späteren „Café Leopold“) statt. Im Mai 1900 gründete sich der „Sozialdemokratische Wahlverein für Zehlendorf und Umgegend“, dessen Mitgliedschaft sich vor allem aus Bauarbeitern der verschiedenen Gewerke zusammensetzte.
Vor dem 1. Weltkrieg mussten sich Zehlendorfs Sozialdemokrat*innen (Frauen waren in politischen Parteien in Preußen erst ab 1908 zugelassen) gegen ein feindliches Umfeld im Ort behaupten. Sie ließen sich davon aber nicht entmutigen. 1897 schrieb die SPD-Zeitung „Vorwärts“ über Zehlendorf: „Unsere Parteigenossen sind hier wie an anderen Orten mit der Art wie sie bekämpft werden, so ziemlich zufrieden, wissen sie doch, daß sie es außer ihrem eigenen Eifer nicht zum wenigsten dem der Gegner es zu verdanken haben, wenn unserer gerechten und großen Sache sich immer neue Anhänger anschließen.“
Nach einer langen Zeit, in der Zehlendorfs Gastwirte den Sozialdemokrat*innen immer wieder ihre Lokale für Versammlungen verweigerten, fand die Zehlendorfer SPD ab 1905 endlich ein dauerhaftes Versammlungslokal in der Potsdamer Straße 25 beim Gastwirt Benno Mickley in seinem Restaurant „Waldeslust“ (später bekannt gewesen unter dem Namen „Schwarzer Adler“, heute „Zehlendorfer Hof“).
Die Zehlendorfer SPD beteiligte sich auch schon vor dem 1. Weltkrieg an der Kommunalpolitik in der Gemeinde, unter dem damals geltenden „Drei-Klassen-Wahlrecht“ gelang es ihr jedoch vor 1918 nicht, eigene Vertreter in die Zehlendorfer Gemeindevertretung zu entsenden.
Auch ein Arbeiterbildungsverein, ein Frauenbildungsverein, ein Arbeitergesangsverein, mehrere Sportvereine, Gewerkschaften und eine Konsumgenossenschaft existierten vor dem 1. Weltkrieg in Zehlendorf.
In Zehlendorf wohnten die SPD-Reichstagsabgeordneten Paul Göhre, Albert Südekum und Georg Ledebour.
1920 – Aus dem „Sozialdemokratischen Wahlverein Zehlendorf“ wird die „74. SPD-Abteilung Zehlendorf“
Mit der Bildung von „Groß-Berlin“ im Jahr 1920 ging der Zehlendorfer SPD-Wahlverein in die 74. Abteilung Zehlendorf auf. Diese Abteilung feierte im August 1925 das 25-jährige Jubiläum der sozialdemokratischen Parteiorganisation in Zehlendorf. Aus diesem Anlass wurde ein neues Parteibanner angefertigt und bei dem Jubiläumsfest feierlich eingeweiht.
In den Jahren der Weimarer Republik war die Zehlendorfer SPD mit einem besoldeten Bezirksstadtrat (Fritz Matèrn) und mehreren unbesoldeten Stadträten (Max Hecking, Hans Holtz) im Bezirksamt vertreten. In der Berliner Stadtverordnetenversammlung wurden die Zehlendorfer Sozialdemokrat*innen durch Richard Draemert vertreten, der sich insbesondere für den U-Bahnbau nach Krumme Lanke verdient gemacht hat.
In Zehlendorf wohnte der sozialdemokratische Ministerpräsident von Preußen Otto Braun.
Aktiv im Widerstand gegen den Faschismus
Zehlendorfs Sozialdemokrat*innen beteiligten sich aktiv am Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Erna Oskes Lotteriegeschäft am Teltower Damm 33 war ein illegaler Treffpunkt für Genoss*innen. In der Onkel-Tom-Siedlung in Zehlendorf wohnte der SPD-Reichstagsabgeordnete Julius Leber, der zum Widerstandsnetzwerk des 20. Juli 1944 gehörte und der dafür im Januar 1945 von den Faschisten hingerichtet wurde.
Zehlendorfs Sozialdemokrat*innen für ein freies West-Berlin
Der Wiederaufbau der Zehlendorfer SPD begann unmittelbar nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Richard Draemert war daran beteiligt. Außerdem solche prägenden Persönlichkeiten wie Gustav Dahrendorf, Annedore Leber, Herbert Antoine und Ludwig Diederich (der Vater des späteren Zehlendorfer SPD-Bundestagsabgeordneten Nils Diederich).
Zehlendorfs SPD-Kreisvorsitzender Erich Gierke wurde 1946 der erste Vorsteher der Zehlendorfer Bezirksverordnetenversammlung.
Der 1. Bezirksparteitag der Berliner SPD in der Zehlendorfer Zinnowwaldschule am 7. April 1946 war ein überregional bedeutendes Ereignis im Kampf gegen die von der sowjetischen Besatzungsmacht betriebenen zwangsweisen Vereinigung der SPD mit der KPD.
Nach den Wahlen 1948 bekam Zehlendorf für zwei Jahre mit Carl Schott erstmals einen sozialdemokratischen Bezirksbürgermeister. Jochen Schnitzer wurde von 1963 bis 1971 der zweite SPD-Bezirksbürgermeister in Zehlendorf.
Berlins Regierende Bürgermeister Ernst Reuter, Otto Suhr und Willy Brandt hatten ihren Wohnsitz in Zehlendorf und liegen auf dem Waldfriedhof Zehlendorf begraben.
Die heutige SPD-Abteilung Zehlendorf
Die SPD-Abteilung Zehlendorf veränderte sich in vergangenen Jahren mehrfach in ihrem geographischen Zuschnitt. Mit der Bezirksfusion im Jahr 2001 wurden die damaligen Abteilungen Zehlendorf-Mitte und Schweizerhof zur Abteilung Zehlendorf vereinigt. Im Jahr 2024 kam die bisherige Abteilung Zehlendorf-Süd hinzu. Die SPD-Abteilung Zehlendorf (Abteilung 11) umfasst seitdem das Gebiet vom Teltowkanal im Süden bis zur Schützallee im Norden und vom Mexikoplatz im Westen bis zur Sundgauer Straße im Osten.
Seit 2006 wird die Abteilung von Andreas Linde als Abteilungsvorsitzendem geleitet, seit diesem Jahr wieder in einer Doppelspitze gemeinsam mit Juliana Kölsch. Die Abteilung stellte von 2012 bis 2023 mit Michael Karnetzki einen Bezirksstadtrat und hat derzeit mit Juliana Kölsch und Bettina Kirsch zwei Bezirksverordnete. Auch der SPD-Bundestagsabgeordnete Ruppert Stüwe und die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Renate Rennebach gehören der Abteilung an.
